Digitalisierung verändert FM-Branche grundlegend

September 2017 –  Am 19. September 2017 hatte die GEFMA Lounge Niedersachsen zum alljährlichen Treffen zu Phoenix Contact nach Bad Pyrmont eingeladen. Im Fokus stand die Digitalisierung und deren Auswirkungen auf das Facility Management. Spannende Vorträge und insbesondere die Führung durch das im Mai 2017 eröffnete “smarte” Industry Solution Center verdeutlichten, welche Veränderungen auf die Branche zukommen. Lesen Sie hier einen kurzen Nachbericht.

 

OVG Real Estates stelt "The Edge" in Amsterdam vor
Andreas Thamm (li.) von OVG Real Estate stellte “The Edge” in Amsterdam vor | © Dagmar Hotze
Prof. Uwe Rotermund
Prof. Uwe Rotermund: “Wir bekommen ein Umkrempeln der Branche!” | © Dagmar Hotze

GEFMA Tag Niedersachsen/Bremen 2017

Mehr als 100 Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, sich beim diesjährigen GEFMA Tag Niedersachsen/Bremen von Building-IoT im neugebauten Industry Solution Center von Phoenix Contact in Bad Pyrmont inspirieren zu lassen. Das im Mai 2017 eröffnete Smart Building umfasst vier Etagen mit 18.000 m², auf denen sich Büros, Labore, Meeting-Räume und Kaffeeküchen befinden, und dient als Anschauungsobjekt für den Einsatz intelligenter Technologien in Gebäuden. Zu Vorträgen, Austausch und Besichtigung hatte die örtliche GEFMA Lounge unter der Leitung von Prof. Uwe Rotermund eingeladen.

Die FM-Branche wird umgekrempelt

Gleich zu Beginn verdeutlichte Prof. Rotermund, was auf FM-Dienstleister im Zuge der Digitalisierung zukommt: “Was wir in den letzten 20 Jahren gemacht haben, wird sich in den nächsten zwei Jahren drastisch verändern.” Die rund 20 Systeme, mit denen die Branche momentan arbeite und die häufig parallel nebeneinander laufen, weil sie nicht kompatibel miteinander sind, würden zu einem ganzheitlichen IT-System verschmelzen, ist sich der Experte sicher. Nur so wäre ein intelligenter Datenaustausch und damit eine zeitgemäße Gebäudebewirtschaftung möglich. Und er prophezeite, dass “wir ein Umkrempeln der FM-Branche bekommen.” Anbieter kämen auf den Markt, die bisher nicht im Zusammenhang mit Gebäudediensten stünden, die sich jedoch auf das Sammeln und Analysieren von Daten verstehen und deshalb für etablierte FM-Unternehmen zu Wettbewerbern würden. (Lesen Sie hierzu auch das Interview mit ihm.)

FM-Unternehmen sehen Digitalisierung als Chance
98 % der von rotermund.ingenieure befragten FM-Unternehmen sehen die Digitalisierung als Chance | © Dagmar Hotze

Gebäudeintelligenz ermöglicht strategisches Flächenmanagement

Welche Relevanz Gebäudeintelligenz für eine effiziente Bewirtschaftung hat, zeigte Reiko Hinke, Senior Property Manager bei der BASF in Ludwigshafen, in seinem nachfolgenden Vortrag. 1,8 Millionen Quadratmeter zentral verwaltete Gebäudefläche in über 400 Objekten mit mehr als 25.000 Mitarbeiter hat er proaktiv zu managen. Ohne automatisierte Prozesse und messbare Daten über Energie, Belegung und Sicherheitszustand in Echtzeit sei kein wirtschaftliches Gebäudemanagement zu leisten. Seit 2004 werden 90.000 TGA-Objekte, 20.000 Fluchtwegesymbole und 35.000 Mitarbeiter grafisch in einem zentralen Datenpool erfasst. Eine Kompetenzfachstelle IT sorgt für den ständigen Softwaresupport und die Implementierung von Updates sowie die Wartung. Der enorme Vorteil: Durch die Datenanalyse ist ein strategisches Flächenmanagement möglich, das eine hohe Auslastung garantiert, so der Fachmann.

Das “Smartphone in Beton”

Anschließend stellte Andreas Thamm von der OVG Real Estate das Bürogebäude der Zukunft vor. Die niederländische Projektentwicklungsgesellschaft hat mit “The Edge” in Amsterdam die zur Zeit intelligenteste Büroimmobilie der Welt realisiert. Das rund 40.000 m² große Objekt lässt sich von seinen Nutzern per Smartphone steuern. Betritt ein Mitarbeiter das Gebäude und identifiziert sich an der Zugangskontrolle, “erkennt” ihn das Gebäude und stellt den Arbeitsplatz auf seine Vorlieben im Bezug auf Licht, Luft, Wärme ein. Noch seien die riesigen Datenmengen, die täglich durch den Gebäudebetrieb entstehen, nur bedingt nutzbar, berichtete Thamm. Zukünftig sollen diese jedoch einsetzbar sein. Das Ziel ist, aus der Datenanalyse Erkenntnisse zu gewinnen, die sich für die Optimierung des Gebäudes und eventuell für neue Services verwerten lassen.

AR-Brille setzt Maßstäbe für FM 4.0

Das Highlight des Tages war die Führung durch das Smart Building von Phonix Contact und insbesondere das Erleben der Datenbrille, die bei der Gebäudewartung unterstützt, in dem sie dem Brillenträger Zusatzinformationen über den Gebäudezustand in das Brillendisplay einblendet. Mit Hilfe von Augmented Reality (AR) wird in Zukunft eine Gebäudebewirtschaftung von bis dato nicht machbarer Sicherheit, Genauigkeit und Transparenz in Echtzeit möglich sein. Ein weiteres Schmankerl war die “schlaue” Sitzgruppe, deren Sitzplätze mittels Sensorik erkennen, ob jemand auf dem Möbel sitzt und wie lange. Der Gag hat durchaus einen realistischen Hintergrund, denn übertragen auf andere Szenarien, lässt sich so evaluieren, wann die Belegungszeiten hoch bzw. niedrig ist.

FM neu denken

Interessant war zudem die abschließende Podiumsdiskussion, bei der es um die Digitalisierung von Geschäftsmodellen im FM, aber auch in der Immobilienwirtschaft ging. Dietrich Schulz von Vivawest Immobiliendienstleistungen berichtete, dass das Thema Smart Home zukünftig an Gewicht im Bereich der Wohnungswirtschaft gewinnen wird. Nils Lueken, Geschäftsführer der RGM Holding, sieht eine der Hauptherausforderungen darin, IT-kompetente Mitarbeiter für das FM zu gewinnen. Und Frank Schröder, Leiter Facility Management bei Phoenix Contact und mit viel Herzblut und Engagement bei der Sache, sprach sich dafür aus, FM neu zu denken und Dinge einfach einmal auszuprobieren.

Fazit des inspirierenden Tages: Die Digitalisierung ist dabei, das Facility Management grundlegend zu verändern und wer als FM-Dienstleister die begonnene Transformation mitgestalten möchte, sollte schleunigst fit werden im Bereich der vernetzten Gebäudetechnik und in Smart Building-Technologien. Von daher ist zu hoffen, dass die GEFMA Lounge Niedersachsen/Bremen weitere Veranstaltungen zu dem Thema bietet.

Text & Fotos: Dagmar Hotze