Die elektrotechnische Fitnesskur für Wohngebäude

Wohngebäude im Jahr 2030: Digitale Technologien unterstützen die Bewohner im Alltag, vernetzte Systeme sorgen für den optimalen Einsatz regenerativer Energien, diverse E-Mobile sind in den elektrotechnischen Kreislauf integriert und die Systemwartung geschieht automatisiert. Kein Gramm des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 entweicht unnötig, kein irregulärer Vorgang bleibt im Gebäude unerkannt. Willkommen im Zeitalter professionell vernetzter Smart Homes! Bis Wohngebäude flächendeckend diese Funktionalitäten aufweisen, ist der Weg jedoch noch weit.

Messestand der QDS auf der home²
Messestand der QDS auf der home² | © Dagmar Hotze

Denn einer aktuellen Studie des ZVEI – Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e. V. zufolge, ist der Gebäudebestand aus elektrotechnischer Sicht veraltet: Rund zwei Drittel aller Elektroanlagen in Wohngebäuden wurden vor 1985 installiert, bei einem Drittel stammt die Anlage sogar aus den 1960iger Jahren. Damals waren die Geräte, die die Elektrik spannungstechnisch aushalten musste, überschaubar: Herd, Kühlschrank, Waschmaschine, Fernseher, eventuell ein Trockner sowie einige Kleingeräte, mehr gab es nicht. Heute steht in 90 Prozent der Haushalte ein PC, 85 Prozent haben einen Flachbildschirm, 73 Prozent eine Mikrowelle, 18 Prozent einen Kaffeevollautomat und noch vieles mehr. Das Jonglieren mit Verlängerungsschnüren und Zusatzsteckdosen, um alles anschließen zu können, gehört oftmals zum Alltag und geht nicht selten zu Lasten der elektrischen Sicherheit. Unter diesen Bedingungen eine Photovoltaik-Anlage in den Gebäudekreislauf zu integrieren oder eine Ladesäule für das Betanken eines E-Autos einbinden zu wollen, wird nicht funktionieren. Wenn die Energie- und Verkehrswende gelingen soll, brauchen Wohngebäude bundesweit systematisch einen E-Check, empfiehlt der ZVEI.

Potenziale nicht verschenken

Der Hinweis des ZVEI deckt sich mit den Erfahrungen von QDS in der Metropolregion Hamburg. “Bestehende Wohngebäude so zu ertüchtigen, dass sie künftig als Bindeglied innerhalb einer vernetzten Energie- und Verkehrsinfrastruktur funktionieren, kann je nach Alter der verbauten Elektrotechnik, durchaus eine Herausforderung sein”, weiß Stefan Denker, QDS-Geschäftsführer und Leiter der Abteilung Elektrotechnik, aus der Praxis. Dies jedoch nicht, weil es technisch nicht machbar wäre, sondern weil Potenziale oftmals ungenützt blieben, kritisiert der langjährig erfahrene Fachmann. “Stehen etwa grundlegende Sanierungsmaßnahmen oder Umbauarbeiten an, gehören ein E-Check und eine umfassende Smart Home-Beratung zum Pflichtprogramm für Immobilieneigentümer”, rät er. In der Regel werde die Elektrik jedoch nur oberflächlich betrachtet und eben nicht im Hinblick auf die Energie- und Verkehrswende. “Das Ergebnis sind Insellösungen, die mühsam vernetzungsfähig gemacht werden müssen, sofern dies überhaupt geht.” Ein Ärgernis, weil Mehrkosten entstehen, die durch eine Bestandsaufnahme inklusive anschließender integraler Planung hätten vermieden werden können.

Elektrotechnik ganzheitlich planen

Dass es auch anders geht, beweisen junge Bauherren/innen, die rege vom Beratungsservice der QDS Gebrauch machen, um einen umfassenden Einblick in elektrotechnisch Machbares und Mögliches zu erhalten. Natürlich stehen Komfort und Sicherheit im Fokus, berichtet Denker. Gleich danach kämen konkrete Fragen zu einer zukunftsgerichteten Energieversorgung. “Hier kennen die Jungen den Mehrwert, den ein vernetztes Gebäude bietet, teilweise sehr genau.” Gewünscht werden vor allem ein transparenter Energieverbrauch und energetische Speichermöglichkeiten, um sich weitestgehend selbst mit klimafreundlicher Energie zu versorgen. “Der Generation Friday-for-Future müssen wir anscheinend nicht groß erklären, dass ein energie- und verkehrswendefähiges Gebäude eine frühzeitige und ganzheitliche Elektroplanung voraussetzt”, freut sich der Fachmann und hofft, dass künftig alle Altersgruppen diesen Weitblick auf die Elektrotechnik haben, auch und gerade, wenn es um die Nachrüstung von Bestandsobjekten geht.

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