Gebäudeautomation: Die Zukunft heißt IP

September 2018 – Neulich im Heizungskeller eines Bürogebäudes in Norddeutschland: Zwei QDS-Kollegen aus dem Bereich Elektrotechnik führen eine Bestandsaufnahme der verbauten Anlagenkomponenten durch und überprüfen deren Integration in die Gebäudeautomation. Jede Pumpe, jeder Kessel, jedes Aggregat und jeder Zähler wird inspiziert und notiert. Danach geht es an Schaltschrank und PC. Eine Sisyphos-Arbeit, die jedoch gemacht werden muss, denn eine detaillierte Dokumentation gibt es von der TGA nicht. 

Der Systemintegrator bei der Gebäudeautomation
Der Systemintegrator beherrscht die Gebäudeautomation aus dem Eff-eff | © Dagmar Hotze

Bisher lief sie, irgendwie. Und falls nicht, wurde solange von einem Facility Manager oder sonstigen Dienstleister herumprobiert, bis sie wieder lief. Transparente Informationen über Prozesse und Verbräuche? Spielten keine Rolle. Nun soll das Objekt fit gemacht werden für neue Mieter. Im Zuge dessen kommt auch die technische Ausstattung von anno 1980 dran. “Smart” soll sie werden, vernetzt funktionieren und trotzdem handhabbar sein. “Kriegen wir hin. Allerdings geht’s ans Eingemachte”, sagt einer der Fachleute lapidar.

Smart Building setzt Maßstäbe

QDS erhält immer häufiger Anfragen, sich doch mal die TGA von diesem oder jenem Gebäude anzuschauen und zu überlegen, ob und wie man “Intelligenz” in die Gebäudeinfrastruktur bekommt, so dass die Funktionalitäten aufeinander abgestimmt funktionieren. Dass also nicht gleichzeitig die Heizung bis zum Anschlag aufgedreht ist, während die Klimaanlage auf Hochtouren läuft oder das Licht in den Büroräumen über das Wochenende brennt, weil die Belegschaft das Gebäude am Freitagnachmittag fluchtartig verlassen hat. “Mit dem Thema Smart Building kommt richtig was auf unsere Branche zu”, ist sich QDS-Chef Reinhard Heymann sicher.

Mit Smart Building meint er Gebäude, in denen Vorgänge in Echtzeit erfasst, analysiert und verarbeitet werden. Dies setzt jedoch eine IP-basierte Gebäudeautomation voraus und keine, die auf BUS-Protokollen aufbaut. Zudem ist eine übergeordnete Datenbank erforderlich, in der alle Informationen zusammenlaufen und kein System, das auf mehreren Ebenen operiert, so wie die herkömmliche GLT. Noch ist die Zahl der Smart Buildings hierzulande überschaubar. Mit “Grand Central” und “Cube” entstehen gerade unweit des Berliner Hauptbahnhofs zwei Intelligenzbestien in Beton. Weltweit hat “The Edge” in Amsterdam Maßstäbe für eine zukunftsorientierte Gebäudeinfrastruktur gesetzt.

Das Gebäude spricht IP

Zurück nach Hamburg zu QDS: Die Crux an der Sache ist nicht nur, dass es häufig keine vernünftige Dokumentation über die Gebäudeautomation und die darin integrierten Geräte und Anlagen gibt. “Wie stiefmütterlich die Gebäudetechnik bisher behandelt wird, wundert mich nach fast 40 Jahren Berufserfahrung nicht mehr”, sagt Heymann. Zudem handele es sich ohnehin häufig um irgendein BUS-Protokoll. Was ihn vielmehr umtreibt, ist Fachleute aus der Gebäude- und Elektrotechnik sowie aus der IT zu finden, die den Einsatz von IoT-Technologien in Gebäuden verstehen und nicht in der KNX-Welt gefangen sind. “Das Verständnis von Bauherren für den Stellenwert einer zukunftsorientierten Gebäudetechnik ist schon größer geworden. Nun ist unsere Branche gefordert, entsprechendes Know-how zu liefern.

Derweil sind seine beiden QDS-Kollegen aus dem Heizungskeller dabei, die Schnittstellen an einigen Geräten so zu programmieren, dass sie sich gegenseitig “verstehen”. Bis alles komplett vernetzt und aufeinander abgestimmt funktioniert, wird es jedoch noch eine Weile dauern. “Dafür macht die intuitive Visualisierung der Daten hinterher doppelt soviel Spaß”, sagt einer der beiden und lacht.

Text und Foto: Dagmar Hotze