Axel Gedaschko
Axel Gedaschko, Präsident des GdW - Bild: GdW

Kurzinterview-Serie

„Smart Home – Vom Wunsch zur Wirklichkeit“

Homenet24.de: Herr Gedaschko, zig Marktforschungsstudien prophezeien bis 2020 den Durchburch von Smart Home. Ist das aus Sicht der Wohnungsunternehmen, die Sie vertreten, eine realistische Einschätzung der Situation?

Herr Gedaschko: Diese Zeit brauchen wir ganz sicher. In jedem Fall haben wir bis dahin die Zahl der Installationen deutlich erhöht. Positiv ist: Nach einer im April 2016 gemeinsam mit der Smart Home Initiative Deutschland e.V. in Zusammenarbeit mit mm1 Consulting veröffentlichten Studie wollen 40 Prozent der befragten Wohnungsunternehmen Smart Home- und/oder AAL-Technologien einsetzen – natürlich nur in einzelnen Beständen und nicht flächendeckend.

Homenet24.de: Bisher gibt es nur einige wenige umgesetzte Smart Home-Wohngebäude außerhalb von Forschungsprojekten mit Beteiligung von GdW-Mitgliedern. Was fehlt Ihren Wohnungsunternehmen zur marktfähigen Durchsetzung? Mangelt es an unabhängiger Beratung? Liegt es an fehlenden technischen Standards? Ist der Wissensaustausch zwischen den Beteiligten noch nicht intensiv genug?

Herr Gedaschko: Tatsächlich sind viele unserer Unternehmen Vorreiter für eine gesamte Branche, während die Mehrheit noch abwartet. Die größten Herausforderungen sind die Suche nach tragfähigen Geschäftsmodellen, eine noch schwache Mieternachfrage und ein unzureichender Marktüberblick über Produkte und Anbieter. Außerdem wirken Unsicherheiten bei Datenschutzfragen und fehlende technische Interoperabilitäten bei Produkten wirken zudem als Hemmnisse, die es auch mit Hilfe des Gesetzgebers zu überwinden gilt.

Homenet24.de: Welche Unterstützung erwarten Sie in Zukunft von Seiten der Architekten, der Planer und dem Elektrohandwerk, damit Smart Home für Ihre Mitglieder in der Breite realisierbar wird?

Herr Gedaschko: Der Beratungsbedarf ist in der Tat hoch und eine große Chance für Dienstleister. Eine Know how-Unterstützung wird insbesondere von Architekten, Planern und spezialisierten Beratern erwartet, erst dahinter folgt das klassische Handwerk. Aus dem Markt verlautet jedoch klar, dass besonders Architekten – von Ausnahmen abgesehen – dem Thema Smart Home gegenüber noch sehr wenig aufgeschlossen sind. Ich bin sicher, dass sich dies in den nächsten Jahren ändert. Die wichtigste Rolle bei konkreten Umsetzungen dürfte künftig den so genannten Systemintegratoren zukommen. Sie müssen sicherstellen, dass unterschiedliche Produkte und Anwendungen in einem Gebäude miteinander störungsfrei funktionieren können und Geschäftsprozesse effizient ablaufen.

Homenet24.de: Herr Gedaschko, wir danken Ihnen für das kurze Gespräch.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN:

Als größter Branchendachverband vertritt der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e. V. die Interessen von rund 3.000 Wohnungs- und Immobilienunternehmen gegenüber Politik, Wirtschaft und Medien. Im April 2016 veröffentlichte der GdW die Studie “Smart Home- und AAL-Technologien in der Immobilien- und Wohnungswirtschaft”, die in Zusammenarbeit mit der SmartHome Initiative Deutschland e.V. und dem Beratungsunternehmen mm1 entstanden ist.