Frank Vierkoetter
Frank Vierkötter, BFW-Vizepräsident und Vorstandsvorsitzender der INTERHOMES AG - Bild: BFW

Kurzinterview-Serie

„Smart Home – Vom Wunsch zur Wirklichkeit“

Homenet24.de: Herr Vierkötter, etliche Technikexperten sehen in Smart Home den zukünftigen Standard von Wohnimmobilien. Einige gehen soweit, die vernetzte Wohnung bzw. das vernetzte Haus als Teil des Internets der Dinge zu sehen. Wie praxisnah ist diese Vision aus der Sicht der Wohnungsunternehmen und Immobilienprojektentwickler, die Sie vertreten?

 

Frank Vierkötter: Entscheidend ist, wie man den Begriff „Smart Home“ definiert. Sehr häufig wird damit verbunden, dass der Kühlschrank automatisch die Lebensmittel bestellt, weil er erkennt, was fehlt. Das ist in weiter Zukunft vielleicht möglich. Worauf es aber viel mehr ankommt ist, ein Smart Home zu entwickeln, das die Anforderungen und Herausforderungen der heutigen Zeit berücksichtigt – beispielsweise die Anforderungen an die Energieeffizienz. Wir werden die Herausforderungen an optimierte Energieeffizienz nur durch intelligente Technik erreichen. Und dazu gehört auch das vernetzte Smart Home, in dem die Heizung aus der Ferne zu steuern ist. In der Tat ist das vernetzte Haus ein wichtiger Zukunftstrend, auch wenn wir das eher mittelfristig als kurzfristig sehen. Smarte Spielereien aus dem Bereich der Weißgeräte (Kühlschränke, Waschmaschinen, Trockner, etc.) werden vielen anderen Branchen – so wie uns auch – wichtige Hinweise auf die Akzeptanz und die Nutzbarkeit bei den Verbrauchern geben. Nicht zuletzt ist es auch die Frage, was die Kunden bereit sind, dafür zu zahlen. Seitens der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft werden die technischen Voraussetzungen im Neubau geschaffen, damit die Käufer in Zukunft alle Geräte und auch das Haus an sich an das Internet ankoppeln können. Aber diesen letzten Schritt müssen die Kunden mittelfristig gesehen noch selbst vollziehen.

 

Homenet24.de: Schaut man sich im Markt um, dann gibt es bereits realisierte „smarte“ Wohnimmobilienprojekte, zumeist jedoch im gehobenen und oberen Preissegment. Von einer Durchsetzung in der Breite kann allerdings keine Rede sein. Was fehlt Ihren Mitgliedern, damit die Technik serienmäßig geplant und eingesetzt werden kann? Mangelt es an fachkundigen Beratung? Fehlen technische Standards? Gibt es (eventuell auch juristische) Unklarheiten bezüglich des späteren Betriebes und dem Umgang mit den entstehenden Nutzerdaten?

Frank Vierkötter: Die größten Herausforderungen sind die Suche nach tragfähigen Geschäftsmodellen, eine noch recht schwache Nachfrage und ein unzureichender Marktüberblick über Produkte und Anbieter. Der Verbraucher- und Datenschutz spielt in Deutschland eine große Rolle, und gerade hier wirken noch viele Unsicherheiten. Wenn der Gesetzgeber hier finale Lösungen anbietet, brächte das sicher neuen Schwung in dieses Segment.

Homenet24.de: Welche Unterstützung erwarten Sie in Zukunft von Seiten der Architekten, der Planer und dem Elektrohandwerk, damit Smart Home für Ihre Mitglieder marktfähig wird? 

Frank Vierkötter: Architekten und Planer müssen den neuen Technologien aufgeschlossen gegenüber stehen und diese so implementieren, dass sie umsetzbar und bezahlbar werden. Da der Beratungsbedarf sehr hoch ist, sollte sich der Anbietermarkt im Sinne der Transparenz und Qualitätssicherung professionalisieren. Das Handwerk scheint mir hier schon einen Schritt weiter zu sein. Nicht zuletzt ist die Politik aufgefordert, den flächendeckenden Ausbau der digitalen Infrastruktur durch Glasfaserkabel voranzutreiben, damit alle Systeme und Geräte störungsfrei und in der geforderten Qualität funktionieren und miteinander kommunizieren.

 

Homenet24.de: Herr Vierkötter, wir danken Ihnen für das kurze Gespräch.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN:

Der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen e.V. (BFW) ist Interessenvertreter der mittelständischen Immobilienwirtschaft. Ihm gehören derzeit rund 1.600 Mitgliedsunternehmen an. Als Spitzenverband wird der BFW von Landesparlamenten und dem Bundestag bei branchenrelevanten Gesetzgebungsverfahren angehört. In der Analyse “Wohngebäude Fakten 2016” untersucht der BFW gemeinsam mit ARGE e.V. den Wohngebäudezustand in Deutschland.