Martin Kaßler - Geschäftsführer des Dachverband Deutscher Immobilienverwalter
Martin Kaßler - Geschäftsführer des Dachverband Deutscher Immobilienverwalter

Kurzinterview-Serie

„Smart Home – Vom Wunsch zur Wirklichkeit“

Homenet24.de: Welchen Stellenwert hat das Thema Smart Home zur Zeit bei Ihren Mitgliedern?

Martin Kaßler: Die Immobilienverwalterbranche ist sehr kleinteilig. Rund zwei Drittel sind Kleinst- und Kleinverwaltungen, die bis zu 1.000 Wohneinheiten betreuen. Diese Fragmentierung und die dadurch begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen sind ein Hemmnis auf dem Weg zur umfassenden Digitalisierung der Branche und ihrer Bestände. Gleichwohl ist ein Trend zur Integration digitaler Lösungen für die eigene IT-Infrastruktur und für die zu betreuenden Wohnungseigentümergemeinschaften zu erkennen. Als der Berufsverband für unsere Branche haben wir die dabei die Aufgabe vermittelnd aufzutreten. Trends erkennen, Technologien vorzustellen und Dienstleister und Immobilienverwalter miteinander ins Gespräch zu bringen.  

Homenet24.de: Was kommt auf die WEG-Verwalter zu, wenn mit Smart Home-Technologien ausgestattete Eigentumswohnungen zunehmen bzw. ganze Gebäude vernetzt funktionieren? Welche Fragen wären damit im Bezug auf Datensicherheit, Datenschutz, Wartung, Updates, etc. verbunden und ggfls. verwalterseitig zu gewährleisten?

 

Martin Kaßler: Immobilienverwaltungen werden eine noch engere Zusammenarbeit mit den Eigentümergemeinschaften suchen – vor allem im Hinblick auf die Trennung von Sonder- und Gemeinschaftseigentum. Es ist ein Unterschied, ob der Eigentümer in seiner Wohnung bauliche oder technische Änderungen vornimmt oder am Gemeinschaftseigentum, z. B. im Treppenhaus. Dann müssen alle Eigentümer „ins Boot geholt“ werden. Datenschutz und Datensicherheit bedürfen dabei gut geschulter und qualifizierter Immobilienverwalter, die rechtliche Grundlagen und die Möglichkeiten technischer Lösungen erkennen. Unsere über 2.000 Mitgliedsunternehmen arbeiten bereits eng mit externen Dienstleistern, z. B. Mess- und Energiedienstleistern, zusammen, die Smart Home-Lösungen nutzen und Anforderungen des Datenschutzes zu berücksichtigen haben. Großen Schulungsbedarf sehen wir im Gesundheitssektor. Je höher hier der Kenntnisstand beim Verwalter und Eigentümer ist, umso eher lassen sich hier auch Synergien erzielen, wie dem selbstbestimmten Leben bis ins hohe Alter in den eigenen vier Wänden.

Homenet24.de: Werden WEG-Verwalter zukünftig enger mit IT- und Smart Home-Experten zusammenarbeiten müssen, um über entsprechende Kompetenzen zu verfügen?

Martin Kaßler: Die Rolle des Immobilienverwalters ist seit jeher die eines Vermittlers – sowohl zwischen Mietern und Eigentümern, als auch zwischen Eigentümern und externen Dienstleistern oder innerhalb einer Wohnungseigentümergemeinschaft. Immobilienverwalter kooperieren bereits eng mit externen Dienstleistern, z. B. Hausmeisterservices oder Energieanbietern und koordinieren auch die Arbeiten dieser Dienstleister, um die Immobilie „in Schuss zu halten“. Die Zusammenarbeit und Vernetzung mit IT- oder Smart Home-Experten wird künftig ebenso dazu zählen. Wichtig ist, dass Smart-Home-Lösungen gut mit anderen Sanierungsvorhaben, z. B. zur energetischen oder altersgerechten Modernisierung, vernetzt sind und sich in einen Sanierungsfahrplan integrieren lassen. Dies gelingt mit einem gut qualifizierten Verwalter, der als Kommunikationszentrum eine entscheidende Rolle einnimmt. Eine ebenso wichtige Aufgabe ist es, dass kompatible Schnittstellen geschaffen werden.

 

Homenet24.de: Herr Kaßler, wir danken Ihnen für das kurze Gespräch.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN:

Der Dachverband Deutscher Immobilienverwalter e.V. ist der Berufsverband der Hausverwalter in Deutschland. Er ist bundesweit mit zehn Landesverbänden vertreten und hat cirka 2.000 Mitgliedsunternehmen, die insgesamt 4,1 Mio. Wohneinheiten verwalten. Im Namen der Branche fordert der DDIV adäquate politische Rahmenbedingungen und tritt damit für eine Professionalisierung des Tätigkeitsfeldes ein. Die Stellungnahme des Verbandes zum Referentenentwurf “Digitalisierung der Energiewende“, in dem es auch um intelligente Messsysteme geht, können Sie hier lesen.