Martin Vesper - CEO digitalSTROM AG

"Ich glaube nicht, dass es den EINEN Standard gibt."

Homenet24.de: Was ist aus Ihrer Sicht der heutige Status quo bei Smart Home in Deutschland?

 

Martin Vesper: In Deutschland ist die Akzeptanz im Markt noch etwas zurückhaltender als z.B. in der Schweiz, den Niederlanden oder im asiatischen Markt. Trotzdem hat sich der Markt auch in Deutschland kontinuierlich positiv weiterentwickelt. So wird bspw. kaum noch in Frage gestellt, ob die digitale Transformation auch in der Wohnung bzw. im Haus kommen wird. Es ist vielmehr nur noch eine Frage nach dem wann und wie. Außerdem kann man in Deutschland auch heute schon substanzielle Umsätze mit Produkten im Smart Home Umfeld erzielen – ganz zu schweigen vom Wachstum, das sich auch sehen lassen kann.

 

Homenet24.de: Immer mehr Anbieter von Smart Home-Technologien drängen mit Produkten und Lösungen auf den Markt und möchten ein Stück vom prophezeiten Milliardenumsatz abbekommen, darunter viele IT- und ITK-Giganten, also Unternehmen, die nicht aus der klassischen Elektrotechnik kommen. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

 

Martin Vesper: Diese Entwicklung ist meiner Meinung nach nicht außergewöhnlich, weil es kein Unternehmen gibt, das sämtliche Themen rund um das Haus vollumfänglich abdeckt. Denken Sie nur mal an Heizung, Beleuchtung, Audio, Video, Beschattung, Küchengeräte usw. Schon alleine in diesen Feldern kommen viele Unternehmen aus verschiedenen Branchen und mit unterschiedlichen Blickwinkeln zusammen. Die Vielfalt im Haus ist einfach sehr groß. Und wenn Sie bedenken, dass ja auch noch Services wie Spracherkennung bzw. Sprachsteuerung, Heizungsoptimierung, wetterbasierte Services hinzukommen, dann wird deutlich, warum so viele Unternehmen im Bereich Smart Home aktiv sind. Und da eine komplette Digitalisierung des Hauses noch nicht vorhanden ist, kann es also durchaus auch sein, dass bspw. ein Anbieter für Heizungsoptimierung, der eigentlich nur cloudbasierte Alogrithmen anbietet, auch noch Vernetzungstechnik oder ggf. sogar Ventile im Angebot hat, weil er nur so seinen Algorithmus im Haus anwenden kann.

Und dann gibt es natürlich noch uns: Eine Plattform, die das Zusammenspiel aller Geräte im Haus – und zwar unabhängig vom Hersteller – garantiert, Services integriert und den Geräten eine hohe Intelligenz gibt. Und auch wir haben natürlich eine Vernetzungstechnologie, um vor allem bestehende analoge Geräte zu integrieren. Dabei nutzen wir eine Infrastruktur, die im Haus immer vorhanden ist, nämlich die Stromleitung. Und mit unserer IP-Technologie garantieren wir aber auch für IP-Geräte insbesondere in der Nachrüstung eine gute Breitbandabdeckung. Durch unseren dezentralen Ansatz sind wir in der Lage sowohl Geräte, als auch System und Services zu integrieren. Das heißt, dass alle Anbieter, die digitale Geräte und Services mit offenen Schnittstellen anbieten, bei uns sehr willkommen sind.

Montage digitalSTROM Lüsterklemme
Einfache Montage der digitalSTROM-Lüsterklemme | Bild: digitalSTROM AG

Homenet24.de: Welcher Kommunikationsstandard wird sich Ihrer Meinung nach langfristig bei Smart Home-Systemen durchsetzen?

Martin Vesper: Ich glaube nicht, dass es den EINEN Standard gibt, der sich durchsetzen wird, denn wir sprechen hier ja vor allem über Interoperabilität, die bei der Vernetzung von besonderer Bedeutung ist. Aber alleine schon aufgrund der unterschiedlichen Lebensdauer ist es bspw. unmöglich, eine 20 Jahre alte Heizung mit den neuesten Gadgets über den gleichen „Standard“ zu vernetzen. Allein deshalb wird es schon verschiedene Anbindungen geben. Wichtig dabei ist jedoch, dass sie „offen“ sind, denn diese Offenheit garantiert, dass eine Plattform wie digitalSTROM alle Geräte herstellerunabhängig zusammenbringen und orchestrieren kann. Wenn es nicht um Interoperabilität geht, dann entscheidet sich der Kunde für einen Standard, der dann automatisch mit den anderen im Wettbewerb steht.

 

Homenet24: Wie gewährleisten Sie die Interoperabilität bzw. Konnektivität Ihres Systems, damit es zukunftsfähig bleibt?

 

Martin Vesper: Wir setzen auf Offenheit und stellen unsere Leistungen und Services in Form einer Plattform zur Verfügung. Unabhängig vom Hersteller können damit beliebige Geräte Teil unserer Plattform werden. Es ist keine Anbindungstechnologie vorgegeben. Damit ist auch eine Koppelung mit anderen Protokollen jederzeit möglich. Ein weiterer wichtiger Aspekt für die Zukunftsfähigkeit unseres Systems ist, dass wir auf zwei sehr langlebige Infrastrukturen setzen: Stromleitung und IP. Darauf bauen wir auf. Eine Heizungsanlage wird bspw. 20 Jahre betrieben. Für unsere Plattform heißt das, dass sie auch im Jahr 2036 noch in der Lage sein muss, die dann verfügbaren Smartphones (oder was es dann auch immer geben wird) mit der Heizung und dem Super Smart Algorithmus vernetzen zu können.

 

Homenet24: 40 % der Wohnungs- und Immobilienunternehmen wollen bis 2017 Smart Home- oder AAL-Technologien in ihren Liegenschaften einsetzen, sagt eine jüngst veröffentlichte Studie der SmartHome Initiative Deutschland in Zusammenarbeit mit dem GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen und wünschen sich deshalb bessere Möglichkeiten für eine herstellerübergreifende und produktunabhängige Beratung. Wird es dazu in Zukunft in Großstädten eventuell Smart Living-Beratungszentren geben?

 

Martin Vesper: Zunächstmal übernehmen wir als Anbieter immer auch eine beratende Funktion, weil natürlich ein entsprechender Know-how Transfer erforderlich ist. Das beinhaltet in erster Linie Schulungen, Vorträge, Beratung u.v.m. Eine weitere wichtige und effiziente Informationsquelle ist das Internet, wo eine Vielzahl an Informationen und Angeboten in Form von Webseiten, Blogs, Newsgroups etc. verfügbar sind. Unserer Meinung nach sind diese Formen ausreichend, aber letztendlich sind es immer die Kunden und nicht die Unternehmen, die darüber entscheiden, ob eine lokale, stationäre Präsenz z.B. in Form eines Beratungszentrums gegründet wird oder nicht.

Homenet24: Herr Vesper, wir danken Ihnen für das Gespräch. 

HINTERGRUNDINFORMATIONEN:

digitalSTROM ist 2001 aus der Idee heraus entstanden, elektrische Geräten auf günstige und ergonomische Art und Weise eine eigene Intelligenz zu geben und sie miteinander zu vernetzen. Das zugrundeliegende technologische Konzept von digitalSTROM wurde gemeinsam mit der ETH Zürich entwicklt, bevor 2011 der Markteintritt erfolgte. Aktuell ist das Unternehmen mit Sitz in Zürich-Schlieren in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit seinen innovativen Produkten vertreten.