QDS bei ZEBAU-Forum “Bauen und Mobilität”

März 2018 – Am 28. Februar 2018 veranstaltete die ZEBAU das Forum “Bauen und Mobilität”, an dem auch QDS-Projektleiter Dipl.-Ing. (FH) Rolf Beitz teilnahm. Tags zuvor hatte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig Dieselfahrverbote für zulässig erklärt, was teils für kontroverse Diskussionen sorgte. Erfahren Sie hier, welche Ansichten die teilnehmenden Experten vertraten.

Das Aktiv-Stadthaus als Paradebeispiel für eine gelungene Sektorkopplung von solarer und thermischer Enerige inkl. der Integration von Elektromobilität | © Dagmar Hotze
Das Aktiv-Stadthaus als Paradebeispiel für eine gelungene Sektorkopplung von solarer und thermischer Enerige inkl. der Integration von Elektromobilität | © Dagmar Hotze
QDS-Projektleiter Rolf Beitz diskutiert über Partnerschaften zwischen Bauschaffenden, Systemintegratoren und Mobilitätsanbietern
QDS-Projektleiter Rolf Beitz (2.v.l.) diskutiert über Partnerschaften zwischen Bauschaffenden, Systemintegratoren und Mobilitätsanbietern | © Dagmar Hotze

 

 

 

 

 

 

ZEBAU-Forum “Bauen und Mobilität”: Wann kommt die Verkehrswende?

Der Zeitpunkt für das ZEBAU-Forum “Bauen und Mobilität” hätte am 28. Februar 2018 nicht besser sein können. Just einen Tag zuvor erklärte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig Dieselfahrverbote für zulässig. Eine Steilvorlage für einen kontroversen Veranstaltungstag, denn jetzt sind nicht nur die  betroffenen Städte (darunter auch Hamburg) gehalten, schnellstens Alternativen zugunsten einer schadstoffärmeren Mobilität zu bieten, sondern auch Bauschaffende müssen sich überlegen, wie Mobilität so in Gebäudekonzepte und Quartiere integriert wird, dass sie umweltverträglich und überdies platzsparend ist. Neben der Energiewende ist also auch eine Verkehrswende zu leisten – und das zügig. Die Herausforderung gleicht der Quadratur des Kreises, wie das Forum zeigte.

Wachsende Metropole braucht sektorübergreifendes Leitbild

Eine Einführung in die Thematik gab zu Beginn Dr. Susanne Metz, Amtsleiterin Stadtentwicklung der BSW Hamburg mit ihrer Keynote “Bauen und Mobilität – braucht Hamburg ein sektorübergreifendes Leitbild?”, in der sie einige städtebauliche Leuchtturmprojekte für die Integration von Elektromobilität, Car Sharing und weiterer Mobilitätsangebote vorstellte, darunter die östliche HafenCity und der in Planung befindliche Stadtteil Oberbillwerder. Angesichts der gestiegenen und weiterhin zunehmenden Einwohnerzahl sei ein Leitbild für die Hansestadt unabdingbar, das klare Vorgaben für das Zusammenwirken der bisher voneinander getrennt geplanten Bereiche Bauen und Verkehr mache, so die Expertin. Soweit die Theorie. In der Praxis ist es allerdings noch ein weiter Weg, bis Architekten Mobilität als integralen Bestandteil von Gebäuden verstehen, wie die anschließende Podiumsdiskussion über Systemarchitektur mit Volker Halbach von blauraum Architekten verdeutlichte. Es müsse mehr Zeit in die Planung investiert werden, plädierte er. Außerdem wäre angesichts der Komplexität ein Lernprozess zu durchlaufen, der ebenfalls nicht von heute auf morgen zu bewerkstelligen sei. Als herausragendes Beispiel für die gelungene Sektorkopplung, nannte ZEBAU-Chef Peter-M. Friemert das Aktiv-Stadthaus in Frankfurt am Main (worüber wir berichtet haben).

Für Zündstoff sorgte der Einwurf einer Verantwortlichen aus der BSW, die anmerkte, dass es um Mobilitätskonzepte für alle gehen müsse, nicht nur um solche für Tesla-Fahrer. Es sei doch klar, dass der ÖPNV zu allererst zu stärken sei. Ebenso das Fahrrad. Und damit geriet das Forum in Wallung. Denn wie sollen Quartiere geplant werden, die alle Mobilitätsarten gleichermaßen berücksichtigen? Darf es in einer wachsenden Stadt zukünftig eigentlich noch individuelle Mobilität geben? Soll der ÖPNV kostenlos sein? Welche Schuld haben die Autohersteller an dem jetzigen Dilemma?

Zwei Juristen, zig Meinungen

Eingeladen waren auch die Juristen Stefan Söchtig, HFK Rechtsanwälte LLP Hamburg, und Christian Mayer, Noerr LLP München, der am Nachmittag das Mobilitätskonzept des FRANKLIN-Quartiers in Mannheim unter rechtlichen Aspekten erörterte. Und hier wurde die Schwachstelle des Forums ingesamt deutlich: Während der Hamburger Rechtsgelehrte sich dafür aussprach, “kreativ” mit den gesetzlichen Vorgaben umzugehen, riet der aus Bayern angereiste Anwalt sich genauestens und sehr frühzeitig zu erkundigen (Stellplatzverordung, Ausnahmegenehmigungen, Haftung, etc.). Die Planungsprozesse würden durch das Einbeziehen von Mobilität noch komplexer (und damit zeit- und kostenintensiver), als sie ohnehin schon seien. Das hatten die Anwesenden so oder so schon geahnt. Aber an wen sollen sich Architekten oder Projektentwickler wenden, wenn sie ein Projekt wie etwa das in Frankfurt am Main realisieren möchte?

Mit den richtigen Fachleuten planen und betreiben

Hilfreicher weil praxisorientierter waren hingegen die Tipps von Frank Christian Hinrichs, Geschäftsführer von inno2grid, einem Gemeinschaftsunternehmen von Schneider Electric und DB Energie. Vieles gebe der Nutzer vor, der oftmals gedanklich längst weiter sei, als viele, die Quartiere planten, so der Fachmann. Bauherren sollten sich überlegen, wie das Geschäftsmodell aussehen muss, das die Mobilitätsservices langfristig finanziert. “Jeder hat heutzutage ein Smartphone in der Hosentasche. Das bestimmt, wie Mobilität aussieht und funktioniert”, gab Hinrichs allen zu verstehen. Die angekündigte Podiumsdiskussion “Planen, Bauen, Betreiben – wie eine Partnerschaft entsteht”, an der auch QDS-Projektleiter Dipl.-Ing. (FH) Rolf Beitz teilnahm, fiel aus zeitlichen Gründen leider viel zu kurz aus. Gerade hier wäre es notwendig gewesen, konkrete Abläufe zu schildern, wie eine Kooperation aussehen könnte – oder besser zukünftig aussehen muss.

Text und Fotos: Dagmar Hotze