Wohnkomfort im Alter mit Smart-Care-Lösung

März 2019 – Nach Japan ist Deutschland das Land, das weltweit am schnellsten altert. Laut IW-Köln werden im Jahr 2035 hierzulande fast 26 Prozent der Bevölkerung älter als 67 sein, heute sind es knapp 19 Prozent. Zudem soll die Zahl der Pflegebedürftigen bis dahin um fast 600.000 auf dann rund 4 Millionen steigen. Sogenannte Smart-Care-Lösungen können den zu erwartenden Pflegenotstand mildern und ein längeres Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen. Nach einer Studie des Instituts für die Digitalisierung von Arbeits- und Lebenswelten (IDiAL) stehen 89 Prozent der Senioren digitalen Assistenzsystemen, die mehr Autonomie im Alter ermöglichen, sehr positiv gegenüber. Welche Vorteile eine solche Lösung den Betroffenen bietet und wie Projektentwickler und Anbieter von Senioren-Wohnungen sie konkret einsetzen können, darüber hat QDS mit Dr. Stefan Neuhaus, Geschäftsführer der CareView Technologies GmbH, gesprochen.

Kooperieren zukünftig: (v.l.) Stefan Denker (QDS/Leiter Elektrotechnik), Marcus Neuhaus (CareView/Geschäftsführer), Marten Ostrowitzki (QDS/Projektleiter), Reinhard Heymann (QDS/Geschäftsführer) und Torsten Anstädt (CareView). | Bild: QDS

QDS: Herr Dr. Neuhaus, wodurch unterscheidet sich Ihre Plattformlösung von den anderen, die es bereits auf dem Markt altersgerechter Systeme gibt?

Dr. Stefan Neuhaus: Unsere Systeme bieten ein außerordentlich hohes Sicherheitsumfeld und können stark auf die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten der Nutzer angepasst werden. Jede unserer Plattformen hat einen vertrauensvollen Betreiber, der einerseits die Identität der Nutzer sicherstellt und andererseits die Spielregeln für die Dienstleister festlegt. Das ist bei vielen Internet-Plattformen nicht gegeben. Nur freigegebene Nutzer im Besitz der Software können Teil der Gemeinschaft werden. Alle Verbindungen sind zusätzlich verschlüsselt und entsprechen hohen Standards. Die Software bietet dabei die Möglichkeit, den Funktionsumfang für die Einzelperson zu variieren. Das ist notwendig für Personen, die erst noch den Umgang mit der Technik lernen müssen oder bei Personen, die aufgrund nachlassender Fähigkeiten nur noch mit wenigen, einfachen Funktionen umgehen können.

QDS: Auf Ihrer Webseite ist zu lesen, das Wohnungsgesellschaften mit CareView vom Vermieter zum Sozialraum-Entwickler werden können und das die Plattformlösung ihnen beim Aufbau und Betrieb eines Quartiers hilft. Was genau meinen Sie mit “Sozialraum-Entwickler” und welche Unterstützung bieten Ihre Plattform konkret?

Dr. Stefan Neuhaus: Viele Wohnungsgesellschaften fokussieren sich auf den Bau von barrierefreien Wohnungen und das ist natürlich eine wichtige Voraussetzung für altersgerechten Wohnraum. Zusätzlich werden heute schon die Möglichkeiten von modernen AAL-Hausnotrufsystemen angeboten. Hierdurch können Notfall- und Gefahrenlagen gut erkannt und Hilfe benachrichtigt werden. Das vermittelt den Senioren ein Sicherheitsgefühl. Leider wird eines der größten Probleme von Senioren meistens nicht adressiert und das ist die Einsamkeit. Mieter von Wohnungsgesellschaften, die Quartiersplattformen einsetzen, erhalten nicht nur Wohnraum, sondern zusätzlich soziale Teilhabe, durch ein aktives Umfeld und niedrigschwellige, barrierefreie Versorgungs-leistungen, um sich länger selbstständig zu organisieren. Wohnungsgesellschaften können zusammen mit einem Netzwerk aus lokalen Partnern ein attraktives Angebot für Senioren schaffen. Dadurch gestalten Sie den Sozialraum für ihre Mieter und schaffen ihnen einen echten Mehrwert und mehr Lebensqualität. Unsere Plattform übernimmt dabei zentrale Kommunikations- und Koordinationsaufgaben. Alle Akteure teilen sich einen zentralen Kanal zum Mieter, der über die Plattform verschiedene Angebote wahrnehmen kann.

QDS: In welchen realisierten Projekten befindet sich Ihre Plattform bereits im Einsatz?

Dr. Stefan Neuhaus: Die Viedome-Plattform kommt ursprünglich aus den Niederlanden und wird dort seit vielen Jahren in über 60.000 Installationen eingesetzt. In Deutschland sind wir seit zwei Jahren in Projekten unterwegs, wie zum Beispiel in Wiesbaden oder Mönchengladbach. Das Projekt „Quartier Eigenheim/Komponistenviertel“ in Wiesbaden hat eine hohe Popularität erreicht. Eine Kooperation aus Pflegeheim und Pflegedienst betreibt ein pflegerisches Quartier. Ein Pflegeteam steht den Anwohnern rund um die Uhr zur Verfügung. Die Plattform fördert nicht nur die Kommunikation, sondern ermöglicht eine Betreuung aus der Ferne und die eigenständige Inanspruchnahme von Dienstleistungen. Dabei wird der Koordinationsaufwand für alle Akteure durch die Plattform gering gehalten, da jeder seine Inhalte selbständig beisteuern kann.

QDS: Kommen wir zu den technischen Aspekten. Wie sieht es mit der Interoperabilität von CareView aus? Über welche offenen Schnittstellen verfügt die Plattform, damit eine herstellerunabhängige und produktübergreifende Integration ohne Programmieraufwand gelingt?

Dr. Stefan Neuhaus: Hier müssen wir die Quartiersplattform- von der Hausnotruftechnologie unterscheiden. Die Quartiersplatt-form ist eine Software, die sich grundsätzlich auf allen modernen Endgeräten (iOS, Android, Windows) installieren lässt. Die Angebote der verschiedensten Akteure und Dienstleister können über die Plattform bereitgestellt werden. Hierfür ist im einfachsten Fall eine Verlinkung auf externe Server der Dienstleister möglich. Eine Interoperabilität ist in diesem Bereich kein Thema. Bei den Hausnotruflösungen sind wir eine offene Plattform. Wir sind gerne bereit Sensoren anderer Hersteller in unsere Lösungen zu integrieren. Hierfür müssen mit dem Hersteller Schnittstellen geschaffen werden. Über 100 Sensoren haben wir bereits integriert.

QDS: Warum ist die Kooperation mit einem auf intelligente Elektrotechnik und Systemintegration spezialisierten Unternehmen wie QDS für Sie wichtig? Welche Vorteile entstehen dadurch für die Beteiligten, aber auch für Wohnungsunternehmen?

Dr. Stefan Neuhaus: Unternehmen wie QDS sind für Wohnungsunternehmen in der Planungsphase eine wichtige Anlaufstelle. Deshalb ist es insbesondere bei der Schaffung von Wohnraum für Senioren erforderlich, alle wichtigen Kompetenzen und technologischen Möglichkeiten zu nutzen. Die Pflege steht vor gravierenden Veränderungen. Neue Versorgungskonzepte stärken die ambulante Pflege im eigenen Zuhause, welches aber auch bauliche, technische und soziale Voraussetzungen an Wohnungsunternehmen stellt. Durch die QDS-Kooperation bringen wir unser Zielgruppen- und Pflegewissen in den Planungsprozess ein, damit neue Bauprojekte kompatibel mit der zukünftigen Entwicklung in der Pflege und Betreuung sind.